Der Kirkjufell spiegelt sich als unverwechselbare Silhouette in ruhigem Wasser.
Reisebericht · Island

Island im Novemberlicht

von Marko Lange

Elf Tage im November, ein Mietwagen und die Insel aus Feuer und Eis – von Reykjavík über den Golden Circle und die schwarzen Strände der Südküste zu den Gletschern des Vatnajökull, hinauf nach Snæfellsnes und zurück über das noch dampfende Lavafeld von Reykjanes. Kurze Tage, lange Dämmerungen und ein paar Nächte, in denen der ganze Himmel grün wurde.

11
Nächte
~1.900
Kilometer
6
Unterkünfte
4–6 Std
Tageslicht
Die Route

Einmal die Strecke entlang

Route
Station 1
Reykjavík
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Die stählerne Wikingerschiff-Skulptur Sólfar steht am Ufer, dahinter die ruhige Bucht und der schneebedeckte Esja unter grauem Himmel.
Station 01

Sólfar-Skulptur am Reykjavíker Ufer

Ankunft in Reykjavík, kurz nach Mittag – und schon wird es wieder dämmrig. Am Ufer steht das Sólfar, ein stählernes Wikingerschiff, das nach Norden zeigt, als wollte es uns den Weg weisen.

Tipp

Die Sólfar-Skulptur steht direkt an der Uferstraße Sæbraut, wenige Minuten zu Fuß vom Zentrum. Am schönsten in der langen Morgen- oder Abenddämmerung, wenn kaum jemand da ist.

◈ Reykjavík · Island
Steinbewehrtes Ufer entlang der Sæbraut, links Wohnhäuser und die Harpa, rechts die weite Bucht bei bedecktem Himmel.
Station 02

Reykjavíks Uferpromenade im Novemberlicht

Ein erster Spaziergang an der Sæbraut, den Wind im Gesicht. Hinter den bunten Häusern liegt die Bucht, dahinter der Esja – die Kulisse, die uns die nächsten Tage begleiten wird.

Tipp

Die Promenade lädt zum Ankommen ein – von hier sieht man Esja und Harpa. Parken ist in der Innenstadt gebührenpflichtig (Zonen P1–P4), am Wochenende oft frei.

◈ Reykjavík · Island
Das Ausflugsboot Andrea von Special Tours liegt am Steg, dahinter schneebedeckte Berge; Schild „Special Tours Boats“.
Station 03

Walbeobachtungsboot „Andrea“

Vom alten Hafen legt die „Andrea“ ab. Zwischen Wellen und Wind halten wir Ausschau nach Walen – und merken vor allem, wie klein so ein Boot gegen dieses Meer ist.

Tipp

Walbeobachtungstouren starten am Alten Hafen; im November fährt nur ein reduziertes Programm – vorab buchen. Windjacke anziehen; ein Tele hilft, aber die Wale kommen oft nah heran.

◈ Reykjavík · Island
Der schneebedeckte Hausberg Esja mit Wolkenband über den Hängen, davor die dunkelblaue, windbewegte See.
Station 04

Der Esja über der Bucht

Vom Wasser aus zeigt sich der Esja von seiner besten Seite: ein Wolkenband über den verschneiten Hängen, darunter die dunkle, aufgewühlte See.

Tipp

Der Esja ist Reykjavíks Hausberg – vom Wasser oder aus dem Vorort Mosfellsbær am besten zu sehen. Ein Wolkenband über dem Grat ist fast schon garantiert.

◈ Esja · Reykjavík · Island
Der Wasserfall Öxarárfoss stürzt über eine Basaltkante in ein von Felsblöcken gesäumtes Becken.
Station 05

Öxarárfoss in Þingvellir

In Þingvellir stehen wir zwischen zwei Kontinenten – hier driften die eurasische und die nordamerikanische Platte auseinander. Ein Steg führt durch die Felsspalten, dahinter die schneebedeckten Berge.

Tipp

Þingvellir gehört zum Golden Circle und ist UNESCO-Welterbe. Parkgebühr am Automaten. Die Holzstege können vereist sein – festes Schuhwerk mitnehmen.

◈ Öxarárfoss · Þingvellir · Island
Der ausbrechende Strokkur wirft eine schlanke Fontäne aus Wasser und Dampf senkrecht empor.
Station 06

Strokkur schießt empor

Alle paar Minuten holt Strokkur Luft, dann schießt eine Fontäne heißen Wassers in den grauen Himmel. Man wartet, man zuckt zusammen, man lacht – und wartet auf den nächsten Ausbruch.

Tipp

Strokkur bricht alle 5–10 Minuten aus – Serienbild bereithalten und mit dem Wind im Rücken stehen, sonst wird es nass und heiß. Gegenüber ein Café zum Aufwärmen.

◈ Geysir · Island
Der zweistufige Wasserfall Gullfoss stürzt über breite Felsstufen in eine tiefe Schlucht, Gischt steigt auf.
Station 07

Gullfoss im Winter

Gullfoss stürzt in zwei Stufen in die Schlucht, die Ränder von Gischt vereist. Im November trägt der „goldene Wasserfall“ einen weißen Pelz.

Tipp

Der obere Parkplatz bietet den Panoramablick, der untere führt näher heran (im Winter oft vereist/gesperrt). Gischt gefriert – Objektiv abwischen und am Geländer bleiben.

◈ Gullfoss · Island
Mächtige Wellen brechen über dem schwarzen Vulkanstrand von Reynisfjara.
Station 08

Schwarzer Strand bei Vík

Am schwarzen Strand von Reynisfjara ragen die Basaltnadeln der Reynisdrangar aus der Brandung. Die Wellen kommen weit und schnell – hier bleibt man besser hinter der Linie.

Tipp

Die „Sneaker-Wellen“ sind lebensgefährlich – nie den Rücken zum Meer kehren, viel Abstand halten. Früh da sein; die Basaltsäulen liegen am Westende des Strands.

◈ Reynisfjara · Vík · Island
Die Gletscherzunge zieht sich zwischen schneebedeckten Bergflanken ins Tal.
Station 09

Auslassgletscher des Vatnajökull

In Skaftafell schiebt sich eine Zunge des Vatnajökull ins Tal, Europas größtem Gletscher. Aus der Ferne eine weiße Fläche, aus der Nähe ein zerklüftetes Labyrinth.

Tipp

Aufs Eis nur mit geführter Tour und Steigeisen (wir hatten eine 3,5-stündige Gletscherwanderung). Vom Besucherzentrum Skaftafell führen auch markierte Wege zu Aussichtspunkten.

◈ Vatnajökull · Island
Eine zerklüftete Gletscherzunge des Vatnajökull schiebt sich blau schimmernd zwischen dunkle Berge.
Station 10

Gletscherzunge des Vatnajökull

Blau, wie man es sonst nie sieht: Das uralte Eis presst die Luft heraus und leuchtet aus der Tiefe. Zwischen Graten und Spalten verliert man jedes Gefühl für Maßstab.

Tipp

Für das leuchtende Blau hilft bedeckter Himmel und ein Polfilter. Nah ans Eis nur im Rahmen der Tour – Spalten und Abbrüche sind unberechenbar.

◈ Vatnajökull · Island
Weit verstreute Eisberge auf dem Jökulsárlón unter dramatischem Abendhimmel.
Station 11

Jökulsárlón im Winterlicht

An der Gletscherlagune Jökulsárlón treiben Eisberge lautlos aufs Meer zu. Manche kippen, manche glühen im letzten Licht – ein Ort, an dem man einfach nur steht und schaut.

Tipp

Zur blauen Stunde und bei auflaufender Flut treiben die meisten Eisberge. Kostenloser Parkplatz direkt an der Ringstraße 1; oft schauen Robben aus dem Wasser.

◈ Jökulsárlón · Island
Mächtige Brandungswellen rollen auf den schwarzen Strand von Breiðamerkursandur zu.
Station 12

Brandung am Diamantstrand

Was die Lagune ausspült, strandet nebenan am schwarzen Sand. Klare Eisbrocken liegen wie Diamanten im Gegenlicht, bis die nächste Welle sie zurückholt.

Tipp

Der Diamantstrand liegt gegenüber der Lagune auf der anderen Straßenseite. Stativ tief ansetzen und mit langer Belichtung die zurückweichende Welle einfangen – Gummistiefel lohnen sich.

◈ Diamantstrand · Island
Leuchtend grüne Polarlichtbänder ziehen sich über den Nachthimmel, unten eine schneebedeckte Landstraße.
Station 13

Polarlicht am Winterhimmel

Und dann, auf einer leeren Straße, beginnt der Himmel zu leuchten. Grün fällt es in Schleiern herab, lautlos – der Moment, für den man im Winter hierherkommt.

Tipp

Nordlicht-Aktivität vorab über die Aurora-Prognose auf vedur.is prüfen (KP-Index & Wolken). Weg von Straßenlaternen, Blick nach Norden: Weitwinkel offen, 8–15 s, ISO 1600–3200, Fokus manuell auf unendlich.

◈ Snæfellsnes · Island
Der Kirkjufell erhebt sich als steiler, geschichteter Kegel über der winterlichen Küstenebene.
Station 14

Kirkjufell mit Spiegelung

Kirkjufell, der berühmteste Berg Islands, mit dem kleinen Wasserfall davor. Ein Bild, das jeder kennt – und doch steht man da und macht es trotzdem.

Tipp

Der klassische Standpunkt ist am Wasserfall Kirkjufellsfoss, Parkplatz direkt an der Straße 54. Im Winter spiegelglatt – Spikes für die Schuhe helfen.

◈ Kirkjufell · Grundarfjörður · Island
Ein niedriges Steinmäuerchen umgibt die einsame schwarze Kirche von Búðir.
Station 15

Búðakirkja am Morgen

Auf Snæfellsnes steht die schwarze Holzkirche von Búðir allein in der Ebene, vor einer ganzen Kette verschneiter Berge. Schlichter geht Island nicht.

Tipp

Die schwarze Kirche von Búðir steht frei in der Ebene und ist von allen Seiten fotografierbar, morgens von Osten am besten. Der kleine Parkplatz gehört zum Hotel Búðir.

◈ Búðir · Snæfellsnes · Island
Schneebedeckte Bergkette der Halbinsel Snæfellsnes unter weitem Winterhimmel.
Station 16

Vollmond über Snæfellsnes

Über der Halbinsel thront der Snæfellsjökull, ein Vulkan unter einer Gletscherkappe – bei Jules Verne das Tor zum Mittelpunkt der Erde. An diesem Morgen zeigt er sich ganz.

Tipp

Der Gletschervulkan zeigt sich nur bei klarer Sicht – Geduld mitbringen. Gute Blicke von der Küstenstraße 574, die die Halbinsel umrundet (im Winter teils eingeschränkt befahrbar).

◈ Snæfellsnes · Island
Der markante rote Leuchtturm auf der Felsinsel Súgandisey über dem Hafen von Stykkishólmur.
Station 17

Inseln vor Stykkishólmur

Unser Quartier für drei Nächte: Stykkishólmur, das größte Dorf auf Snæfellsnes. Alte Häuser über dem Hafen, dahinter die verschneiten Berge – von hier setzen die Fähren zu den Westfjorden über.

Tipp

Vom Hausberg Súgandisey (kurzer Treppenaufstieg zum Leuchtturm) hat man den besten Blick über Hafen und Inseln. Von hier legt auch die Fähre über den Breiðafjörður ab.

◈ Stykkishólmur · Snæfellsnes · Island
Blick über verschneite Lavafelder auf einen halb zugefrorenen See und schneebedeckte Berge.
Station 18

Gefrorener See im Lavafeld

Ein freier Tag, nur wir und die verschneiten Lavafelder. Moos, Schnee und halb gefrorene Seen, so weit man sieht – und kein Mensch weit und breit.

Tipp

Für die einsamen Lavafelder den Nebenstraßen auf Snæfellsnes folgen – aber nur auf befestigten Wegen bleiben und die Straßenlage vorher über road.is checken.

◈ Snæfellsnes · Island
Dampfschwaden ziehen über ein schwarzes Lavafeld zwischen graubraunen Vulkankämmen.
Station 19

Warme Lava dampft bei Fagradalsfjall

Auf dem Rückweg über Reykjanes: Hier ist im Frühjahr die Erde aufgebrochen. Noch immer dampft die frische, schwarze Lava, während ringsum schon der erste Schnee liegt.

Tipp

Aktueller Hinweis: Das gezeigte Lavafeld stammt vom Fagradalsfjall-Ausbruch 2021 und ist längst erkaltet. Die Aktivität auf Reykjanes ist seither zur Kraterreihe Sundhnúkur bei Grindavík gewandert (mehrere Ausbrüche 2023–2025, der letzte endete im August 2025). Ein neuer Ausbruch kann die Halbinsel jederzeit wieder verändern – Sperrzonen, Straßen und Wanderparkplätze wechseln kurzfristig. Vor dem Besuch unbedingt safetravel.is (Wege & Status), vedur.is (Gasprognose) und road.is (Straßen) prüfen; die Fagradalsfjall-Wege öffnen wieder, sobald es sicher ist.

◈ Fagradalsfjall · Reykjanes · Island
Ein Regenbogen steht über einem sonnenbeschienenen Bergrücken, davor schwarze Lavafelder.
Station 20

Regenbogen über Reykjanes

Zum Abschied spannt sich ein Regenbogen über das schwarze Lavafeld. Feuer und Eis, Licht und Regen – Island in einem einzigen Bild.

Tipp

Auf Reykjanes wechseln Sonne und Schauer im Minutentakt – ideal für Regenbögen. Kamera gegen Nässe schützen und den Moment abpassen, wenn die Sonne tief hinter dir steht. Aktueller Hinweis: Die Halbinsel ist weiter vulkanisch aktiv – zuletzt Ausbrüche an der Sundhnúkur-Kraterreihe bei Grindavík (bis August 2025). Sperrzonen und offene Straßen/Wege wechseln kurzfristig, daher vor der Fahrt safetravel.is und road.is prüfen.

◈ Fagradalsfjall · Reykjanes · Island
Die Betonfassade der Hallgrímskirkja ragt gegen den Abendhimmel, davor die Statue von Leifur Eiríksson.
Station 21

Hallgrímskirkja mit Leif-Eriksson-Statue

Zurück in Reykjavík, letzter Abend. Die Hallgrímskirkja glüht in der Dämmerung, davor Leifur Eiríksson, der schon vor tausend Jahren nach Westen aufbrach. Für uns geht es morgen nach Hause.

Tipp

Der Turm der Hallgrímskirkja ist gegen Gebühr mit dem Aufzug besteigbar – toller Blick über die bunten Dächer. Davor steht Leifur Eiríksson; zur blauen Stunde ist die Fassade am schönsten beleuchtet.

◈ Reykjavík · Island

Gut zu wissen

Beste Reisezeit
Für Polarlichter Ende September bis März – dann sind die Nächte lang und dunkel genug. Wer Island grün und mit Mitternachtssonne erleben will, kommt im Juni/Juli.
Wetter im November
Um den Gefrierpunkt, dazu Wind, Schnee und Regen im schnellen Wechsel. Nur 4–6 Stunden fahles Tageslicht – dafür stehen die Chancen aufs Nordlicht gut.
Anreise
Flug nach Keflavík (KEF), von dort mit dem Mietwagen. Im Winter unbedingt Allrad – wir waren mit einem Dacia Duster unterwegs.
Unterkünfte
Als Basislager dienten das Storm Hotel in Reykjavík, das Brekkugerði Guesthouse in Südisland, das Fosshotel Núpar bei Kirkjubæjarklaustur, das Hotel Eldhestar am Golden Circle, das Fosshotel Stykkishólmur auf Snæfellsnes und die Raven’s BnB bei Keflavík.
Ausrüstung
Stabiles Stativ, viele Ersatzakkus (die Kälte saugt sie leer), ND- und Polfilter, warme Schichten und wasserfeste Schuhe. Fürs Nordlicht ein lichtstarkes Weitwinkel und ein Fernauslöser.
Fahren im Winter
Straßenlage live über road.is und die Vorhersage über vedur.is prüfen. Tanken, wo man kann – zwischen den Orten liegen weite, menschenleere Strecken.