
Island im Novemberlicht
Elf Tage im November, ein Mietwagen und die Insel aus Feuer und Eis – von Reykjavík über den Golden Circle und die schwarzen Strände der Südküste zu den Gletschern des Vatnajökull, hinauf nach Snæfellsnes und zurück über das noch dampfende Lavafeld von Reykjanes. Kurze Tage, lange Dämmerungen und ein paar Nächte, in denen der ganze Himmel grün wurde.
Einmal die Strecke entlang
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Sólfar-Skulptur am Reykjavíker Ufer
Ankunft in Reykjavík, kurz nach Mittag – und schon wird es wieder dämmrig. Am Ufer steht das Sólfar, ein stählernes Wikingerschiff, das nach Norden zeigt, als wollte es uns den Weg weisen.
Die Sólfar-Skulptur steht direkt an der Uferstraße Sæbraut, wenige Minuten zu Fuß vom Zentrum. Am schönsten in der langen Morgen- oder Abenddämmerung, wenn kaum jemand da ist.

Reykjavíks Uferpromenade im Novemberlicht
Ein erster Spaziergang an der Sæbraut, den Wind im Gesicht. Hinter den bunten Häusern liegt die Bucht, dahinter der Esja – die Kulisse, die uns die nächsten Tage begleiten wird.
Die Promenade lädt zum Ankommen ein – von hier sieht man Esja und Harpa. Parken ist in der Innenstadt gebührenpflichtig (Zonen P1–P4), am Wochenende oft frei.

Walbeobachtungsboot „Andrea“
Vom alten Hafen legt die „Andrea“ ab. Zwischen Wellen und Wind halten wir Ausschau nach Walen – und merken vor allem, wie klein so ein Boot gegen dieses Meer ist.
Walbeobachtungstouren starten am Alten Hafen; im November fährt nur ein reduziertes Programm – vorab buchen. Windjacke anziehen; ein Tele hilft, aber die Wale kommen oft nah heran.

Der Esja über der Bucht
Vom Wasser aus zeigt sich der Esja von seiner besten Seite: ein Wolkenband über den verschneiten Hängen, darunter die dunkle, aufgewühlte See.
Der Esja ist Reykjavíks Hausberg – vom Wasser oder aus dem Vorort Mosfellsbær am besten zu sehen. Ein Wolkenband über dem Grat ist fast schon garantiert.

Öxarárfoss in Þingvellir
In Þingvellir stehen wir zwischen zwei Kontinenten – hier driften die eurasische und die nordamerikanische Platte auseinander. Ein Steg führt durch die Felsspalten, dahinter die schneebedeckten Berge.
Þingvellir gehört zum Golden Circle und ist UNESCO-Welterbe. Parkgebühr am Automaten. Die Holzstege können vereist sein – festes Schuhwerk mitnehmen.

Strokkur schießt empor
Alle paar Minuten holt Strokkur Luft, dann schießt eine Fontäne heißen Wassers in den grauen Himmel. Man wartet, man zuckt zusammen, man lacht – und wartet auf den nächsten Ausbruch.
Strokkur bricht alle 5–10 Minuten aus – Serienbild bereithalten und mit dem Wind im Rücken stehen, sonst wird es nass und heiß. Gegenüber ein Café zum Aufwärmen.

Gullfoss im Winter
Gullfoss stürzt in zwei Stufen in die Schlucht, die Ränder von Gischt vereist. Im November trägt der „goldene Wasserfall“ einen weißen Pelz.
Der obere Parkplatz bietet den Panoramablick, der untere führt näher heran (im Winter oft vereist/gesperrt). Gischt gefriert – Objektiv abwischen und am Geländer bleiben.

Schwarzer Strand bei Vík
Am schwarzen Strand von Reynisfjara ragen die Basaltnadeln der Reynisdrangar aus der Brandung. Die Wellen kommen weit und schnell – hier bleibt man besser hinter der Linie.
Die „Sneaker-Wellen“ sind lebensgefährlich – nie den Rücken zum Meer kehren, viel Abstand halten. Früh da sein; die Basaltsäulen liegen am Westende des Strands.

Auslassgletscher des Vatnajökull
In Skaftafell schiebt sich eine Zunge des Vatnajökull ins Tal, Europas größtem Gletscher. Aus der Ferne eine weiße Fläche, aus der Nähe ein zerklüftetes Labyrinth.
Aufs Eis nur mit geführter Tour und Steigeisen (wir hatten eine 3,5-stündige Gletscherwanderung). Vom Besucherzentrum Skaftafell führen auch markierte Wege zu Aussichtspunkten.

Gletscherzunge des Vatnajökull
Blau, wie man es sonst nie sieht: Das uralte Eis presst die Luft heraus und leuchtet aus der Tiefe. Zwischen Graten und Spalten verliert man jedes Gefühl für Maßstab.
Für das leuchtende Blau hilft bedeckter Himmel und ein Polfilter. Nah ans Eis nur im Rahmen der Tour – Spalten und Abbrüche sind unberechenbar.

Jökulsárlón im Winterlicht
An der Gletscherlagune Jökulsárlón treiben Eisberge lautlos aufs Meer zu. Manche kippen, manche glühen im letzten Licht – ein Ort, an dem man einfach nur steht und schaut.
Zur blauen Stunde und bei auflaufender Flut treiben die meisten Eisberge. Kostenloser Parkplatz direkt an der Ringstraße 1; oft schauen Robben aus dem Wasser.

Brandung am Diamantstrand
Was die Lagune ausspült, strandet nebenan am schwarzen Sand. Klare Eisbrocken liegen wie Diamanten im Gegenlicht, bis die nächste Welle sie zurückholt.
Der Diamantstrand liegt gegenüber der Lagune auf der anderen Straßenseite. Stativ tief ansetzen und mit langer Belichtung die zurückweichende Welle einfangen – Gummistiefel lohnen sich.

Polarlicht am Winterhimmel
Und dann, auf einer leeren Straße, beginnt der Himmel zu leuchten. Grün fällt es in Schleiern herab, lautlos – der Moment, für den man im Winter hierherkommt.
Nordlicht-Aktivität vorab über die Aurora-Prognose auf vedur.is prüfen (KP-Index & Wolken). Weg von Straßenlaternen, Blick nach Norden: Weitwinkel offen, 8–15 s, ISO 1600–3200, Fokus manuell auf unendlich.

Kirkjufell mit Spiegelung
Kirkjufell, der berühmteste Berg Islands, mit dem kleinen Wasserfall davor. Ein Bild, das jeder kennt – und doch steht man da und macht es trotzdem.
Der klassische Standpunkt ist am Wasserfall Kirkjufellsfoss, Parkplatz direkt an der Straße 54. Im Winter spiegelglatt – Spikes für die Schuhe helfen.

Búðakirkja am Morgen
Auf Snæfellsnes steht die schwarze Holzkirche von Búðir allein in der Ebene, vor einer ganzen Kette verschneiter Berge. Schlichter geht Island nicht.
Die schwarze Kirche von Búðir steht frei in der Ebene und ist von allen Seiten fotografierbar, morgens von Osten am besten. Der kleine Parkplatz gehört zum Hotel Búðir.

Vollmond über Snæfellsnes
Über der Halbinsel thront der Snæfellsjökull, ein Vulkan unter einer Gletscherkappe – bei Jules Verne das Tor zum Mittelpunkt der Erde. An diesem Morgen zeigt er sich ganz.
Der Gletschervulkan zeigt sich nur bei klarer Sicht – Geduld mitbringen. Gute Blicke von der Küstenstraße 574, die die Halbinsel umrundet (im Winter teils eingeschränkt befahrbar).

Inseln vor Stykkishólmur
Unser Quartier für drei Nächte: Stykkishólmur, das größte Dorf auf Snæfellsnes. Alte Häuser über dem Hafen, dahinter die verschneiten Berge – von hier setzen die Fähren zu den Westfjorden über.
Vom Hausberg Súgandisey (kurzer Treppenaufstieg zum Leuchtturm) hat man den besten Blick über Hafen und Inseln. Von hier legt auch die Fähre über den Breiðafjörður ab.

Gefrorener See im Lavafeld
Ein freier Tag, nur wir und die verschneiten Lavafelder. Moos, Schnee und halb gefrorene Seen, so weit man sieht – und kein Mensch weit und breit.
Für die einsamen Lavafelder den Nebenstraßen auf Snæfellsnes folgen – aber nur auf befestigten Wegen bleiben und die Straßenlage vorher über road.is checken.

Warme Lava dampft bei Fagradalsfjall
Auf dem Rückweg über Reykjanes: Hier ist im Frühjahr die Erde aufgebrochen. Noch immer dampft die frische, schwarze Lava, während ringsum schon der erste Schnee liegt.
Aktueller Hinweis: Das gezeigte Lavafeld stammt vom Fagradalsfjall-Ausbruch 2021 und ist längst erkaltet. Die Aktivität auf Reykjanes ist seither zur Kraterreihe Sundhnúkur bei Grindavík gewandert (mehrere Ausbrüche 2023–2025, der letzte endete im August 2025). Ein neuer Ausbruch kann die Halbinsel jederzeit wieder verändern – Sperrzonen, Straßen und Wanderparkplätze wechseln kurzfristig. Vor dem Besuch unbedingt safetravel.is (Wege & Status), vedur.is (Gasprognose) und road.is (Straßen) prüfen; die Fagradalsfjall-Wege öffnen wieder, sobald es sicher ist.

Regenbogen über Reykjanes
Zum Abschied spannt sich ein Regenbogen über das schwarze Lavafeld. Feuer und Eis, Licht und Regen – Island in einem einzigen Bild.
Auf Reykjanes wechseln Sonne und Schauer im Minutentakt – ideal für Regenbögen. Kamera gegen Nässe schützen und den Moment abpassen, wenn die Sonne tief hinter dir steht. Aktueller Hinweis: Die Halbinsel ist weiter vulkanisch aktiv – zuletzt Ausbrüche an der Sundhnúkur-Kraterreihe bei Grindavík (bis August 2025). Sperrzonen und offene Straßen/Wege wechseln kurzfristig, daher vor der Fahrt safetravel.is und road.is prüfen.

Hallgrímskirkja mit Leif-Eriksson-Statue
Zurück in Reykjavík, letzter Abend. Die Hallgrímskirkja glüht in der Dämmerung, davor Leifur Eiríksson, der schon vor tausend Jahren nach Westen aufbrach. Für uns geht es morgen nach Hause.
Der Turm der Hallgrímskirkja ist gegen Gebühr mit dem Aufzug besteigbar – toller Blick über die bunten Dächer. Davor steht Leifur Eiríksson; zur blauen Stunde ist die Fassade am schönsten beleuchtet.