Grün-violettes Polarlicht spannt sich über den verschneiten Fjord bei Frovåg auf Senja, im Vordergrund ein rotes Holzhaus.
Reisebericht · Norwegen

Nordnorwegen im Winter

von Marko Lange

Eine Winterwoche hoch über dem Polarkreis: Tromsø, die türkisen Strände von Sommarøy und die wilde Insel Senja. Nordlicht über einem roten Holzhaus, die Teufelszähne der Okshornan, Rentiere im Schnee – und eine Anreise, die dank Pilotenstreik erst einen Tag später begann.

9
Tage
Feb 2026
Reisezeit
70° N
Breitengrad
≈ 300 km
Winterstraße
Die Route

Einmal die Strecke entlang

Route
Station 1
Tromsø
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Ein Fischkutter liegt im Schneetreiben am Kai von Tromsø, im Hintergrund die schneebedeckten Berge der Insel.
Station 01

Hafen von Tromsø im Schneetreiben

Eigentlich hätte uns ein Direktflug nach Tromsø gebracht – doch der SAS-Pilotenstreik strich ihn, und so kommen wir einen Tag später an, dafür bleiben wir bis zum 15. Februar. Im Schneetreiben liegt der Hafen der Stadt schon in winterlichem Halbdunkel, dahinter ducken sich bunte Holzhäuser unter dicken Schneehauben – der erste Eindruck von Tromsø, bevor es überhaupt richtig losgeht.

◈ Tromsø · Norwegen
Ockerfarbenes zweistöckiges Holzhaus mit weißen Fensterrahmen in der Altstadt von Tromsø, Schnee auf dem Dach.
Eine große Trollfigur mit langer Nase sitzt vor einem Geschäft in der Fußgängerzone von Tromsø.
Leuchtend türkisfarbenes Meer läuft über den hellen Strand von Sommarøy aus, dahinter schneebedeckte Gipfel im rosa Licht.
Station 02

Türkises Wasser bei Sommarøy

Die ersten Nächte gehören Sommarøy vor den Toren Tromsøs: schneeweiße Strände, dazwischen ein Meer in einem fast karibischen Türkis, das man hier oben am Polarkreis nicht erwartet.

Tipp

Das Türkis leuchtet nur, wenn die tief stehende Sonne flach aufs flache Wasser trifft – die kurzen Mittagsstunden lohnen sich, auch wenn es nie richtig hell wird.

◈ Sommarøy · Norwegen
Ein schmales Seezeichen steht im türkisfarbenen Wasser, dahinter die verschneite Küstenlinie unter Wolkenstreifen.
Das Wasser liegt reglos vor der verschneiten Bergkette, ein schmaler türkiser Streifen zieht sich am Ufer entlang.
Zur blauen Stunde liegen Schnee und Wasser in kühlen Tönen, kahle Sträucher rahmen die Bucht von Sommarøy.
Von Bord der Fähre reicht der Blick über die dunkle, offene See auf eine lange Kette schneebedeckter Inselberge.
Station 03

Ausfahrt nach Senja

Von Kvaløya aus geht es mit der kleinen Fähre Brensholmen–Botnhamn hinüber nach Senja. Die Überfahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde, aber sie reicht, um aus dem Nebel auftauchende Gipfel, ziehende Möwen und das flache Morgenlicht über dem Nordmeer einzufangen.

Tipp

Im Winter fährt die Fähre seltener – Fahrplan vorab prüfen. Auf dem offenen Deck ist es kalt, aber nur von dort hat man freie Sicht auf die Bergkette.

◈ Fähre Brensholmen–Botnhamn · Norwegen
Ein einzelner Vogel im weiten, rosafarbenen Himmel über einem lang gestreckten, schneebedeckten Höhenzug.
Das Kielwasser der Fähre zieht eine helle Spur zur Bergkette von Senja, darüber leuchten rosa Wolken.
Die gelbe Fischfabrik auf ihren Pfählen ragt in den Fjord, dahinter geht die Sonne zwischen den Gipfeln unter.
Station 04

Die gelbe Fischfabrik

Am Ende einer schmalen Straße, die sich zwischen Bergen und Meer hindurchzwängt, liegt Husøy – ein winziges Fischerdorf auf einer Insel im Øyfjord, rundum von steilen Gipfeln umschlossen. Bunte Häuser, Boote im Hafen, Fischgestelle im Schnee: ein Ort, an dem der Winter das Leben nicht anhält, sondern nur langsamer macht.

◈ Husøy · Senja · Norwegen
Fischerboote liegen am Kai von Husøy, links die gelbe Halle, rechts steigt der verschneite Hausberg auf.
Ein rotes Fischerboot fährt vor der gezackten, tief verschneiten Bergkulisse des Øyfjords.
Fischerboote liegen dicht an dicht am Steg von Husøy, dahinter die gelbe Fischfabrik und ein steil aufragender Winterberg.
Über dem Ersfjord hängt eine tief liegende Nebelbank, rechts leuchtet eine schneebedeckte Bergflanke im letzten Sonnenlicht.
Station 05

Nebelbank über Ersfjordstranda

Nur ein paar Kurven weiter öffnet sich Ersfjordstranda: ein breiter, heller Sandstrand am Fuß eines steil aufragenden Gipfels. Die Brandung läuft in dünnen Fächern über den gefrorenen Sand, und für einen Moment sieht der Winter hier aus wie ein Sommertag, dem man die Farbe herausgezogen hat.

◈ Ersfjordstranda · Senja · Norwegen
Schaumige Brandung läuft in breiten Fächern über den hellen Sand von Ersfjordstranda, im Hintergrund verschneite Berge.
Dünnes Eis überzieht den Strandsaum am Ersfjord, dahinter leuchtet eine schneebedeckte Bergflanke im Streiflicht.
Eine tiefblaue Winterdämmerung legt sich über den Fjord, an dessen Ufer sich die verschneiten Flanken spiegeln.
Die vollständige Reihe der Okshornan – die „Teufelszähne“ – ragt tief verschneit über der winterlichen Küste auf.
Station 06

Die Teufelszähne von Senja

Wir haben es geschafft und konnten noch im Schein des letzten Tageslichts bei Tungeneset die „Teufelszähne" (Okshornan) fotografieren. Eine Reihe schroffer, tief verschneiter Zacken, gegen die die Brandung des Nordmeers schlägt. Zwischen den Felsen führen Holzstege über den Schnee, und das Licht wechselt im Minutentakt.

Tipp

Der Rastplatz Tungeneset liegt direkt an der Nationalen Touristenstraße; die Stege sind bei Eis spiegelglatt – Spikes unter den Schuhen sparen Nerven.

◈ Okshornan · Senja · Norwegen
Dunkle, schneegestreifte Küstenfelsen liegen vor der aufgerauten See und den verschneiten Okshornan.
Die tief stehende Sonne steht hinter der Bergflanke am Tungeneset, das Schneeplateau davor liegt im blauen Schatten.
Eine ruhige, verschneite Bucht öffnet den Blick auf die gezackte Felsreihe der Okshornan unter blassem Winterhimmel.
Blick von der Aussichtsplattform Bergsbotn über den tief eingeschnittenen Fjord; eine Serpentinenstraße windet sich durch verschneite Birken zum spiegelglatten Wasser.
Station 07

Bergsbotn in der blauen Stunde

Von der Aussichtsplattform Bergsbotn fällt der Blick tief in einen der schönsten Fjorde der Insel, den ein zugefrorener See wie ein Auge spiegelt.

◈ Bergsbotn · Senja · Norwegen
Von der Aussichtsplattform Bergsbotn fällt der Blick steil auf den Fjord und die Serpentinenstraße am Ufer.
Ein mächtiger grün-violetter Nordlichtfächer steht über den Bäumen und Häusern von Frovåg auf Senja.
Station 08

Polarlicht über Frovåg

Unser Quartier das Senja Fjordhotell bei Frovåg im Süden Senjas – und in der ersten klaren Nacht hält der Himmel Wort. Über dem Fjord zündet das Nordlicht, erst als blasser grüner Bogen, dann in Vorhängen aus Grün und Violett, die sich über das ganze Firmament ziehen. Man steht im Schnee, friert, und vergisst es sofort wieder.

Tipp

Warm anziehen und Geduld mitbringen: Ein Blick auf den KP-Index und die Wolkenvorhersage hilft, aber die schönsten Ausbrüche kommen unangekündigt. Ein lichtstarkes Weitwinkel (14 mm, f/2.8) und Ersatzakkus in der Innentasche sind Gold wert. Unterkunft: das Senja Fjordhotell – sehr zu empfehlen, überaus freundliche Gastgeber, man fühlt sich wie zu Hause.

◈ Frovåg · Senja · Norwegen
Ein breites grünes Nordlichtband liegt über dem offenen Schneefeld, dahinter die dunklen Berge des Fjords.
Zwei Menschen stehen nebeneinander auf der Schneestraße und schauen zum weit aufgefächerten Nordlicht.
Eine Person geht als Silhouette die verschneite Straße entlang, über ihr lodert das grün-violette Polarlicht.
Ein Rentierbulle mit mächtigem Geweih liegt im Schnee, dichte Flocken fallen vor dem braunen Birkenwald.
Station 09

Rentier im Schneefall

Auf den Hochflächen Senjas begegnen uns die eigentlichen Einheimischen: Rentiere, die im Schnee nach Flechten scharren. Mal in kleinen Trupps in der Ferne, mal so nah, dass man das Rascheln ihres Fells hört. Mit ihren mächtigen Geweihen und dem dichten Winterpelz wirken sie, als gehöre ihnen diese weiße Welt ganz allein.

Tipp

Rentiere sind halbwild und gehören den Samen – Abstand halten, ruhig bleiben, mit dem Teleobjektiv arbeiten. Am Straßenrand tauchen sie oft unvermittelt auf, also langsam fahren.

◈ Senja · Norwegen
Ein Rentier steht im tiefen Schnee zwischen kahlen Birken und blickt aufmerksam zur Seite.
Ein Rentier mit weit ausladendem Geweih liegt im Schnee und schaut direkt in die Kamera.
Zwei Rentiere im Birkenwald: eines scharrt im Schnee, das andere hebt aufmerksam den Kopf.
Meterhohe Schneewälle säumen die Straße, dahinter stehen rote Hofgebäude vor bewaldeten Winterhängen.
Station 10

Rote Höfe hinter Schneewällen

Auf der Rückfahrt nach Tromsø zeigt sich der Winter noch einmal von seiner stillsten Seite: gefrorene Fjorde, ein Sonnenhalo über der weiten Fläche, eisglatte Straßen, die schnurgerade auf schneebedeckte Berge zulaufen. Neun Tage hoch im Norden – und die Gewissheit, dass wir wiederkommen.

◈ Senja · Norwegen
Die untergehende Sonne legt eine goldene Bahn über den Fjord, davor gewellte Schneeflächen und dunkler Nadelwald.
Eine schnurgerade, schneebedeckte Straße führt unter tiefblauem Himmel auf verschneite Berge zu.
Nachgebaute historische Straßenbahn als Touristen-Attraktion am winterlichen Hafen von Tromsø, im Hintergrund der Berg Fjellheisen.
Station 11

Alte Straßenbahn am Hafen

Zurück in der Stadt bleibt Zeit für einen Bummel durch Tromsø: bunte Holzhäuser am Hafen, die alte Straßenbahn als Deko-Stück vor der Kulisse des Fjellheisen, dazwischen Museumshäuser und schmale Gassen im Schneetreiben.

Tipp

Zwischen den Stationen lohnt ein Stopp am Raketten Bar & Pølse – der Hotdog-Stand mitten in der Stadt ist eine Institution.

◈ Tromsø · Norwegen
Rot verklinkerte Häuserzeile mit Läden und Bar am winterlichen Hafen von Tromsø, Schneefall über der Straße.
Gelb gestrichenes Holzhaus des Full-Steam-Museums am zugeschneiten Hafen von Tromsø, davor norwegische und samische Flagge.
Grünes und violettes Polarlicht über dem winterlichen Fjord bei Utsikten Grunnfjord auf Senja, im Vordergrund schneebedeckte Felsen.
Station 12

Polarlicht über dem Fjord

Am letzten Abend fahren wir noch einmal hinaus zum Aussichtspunkt Utsikten Grunnfjord – und der Himmel zeigt sich noch einmal von seiner eindrucksvollsten Seite: grüne und violette Polarlichtbögen, die sich in immer neuen Formen über den Fjord ziehen, während unten die Lichter der Küste glitzern.

Tipp

Auf dem Weg dorthin lohnt ein Stopp beim Direktør'n Bistro – durch Zufall entdeckten wir dieses kleine Restaurant - es hat sich definitiv gelohnt

◈ Utsikten Grunnfjord · Ringvassøya
Grüne Polarlichtbögen über der Bucht bei Utsikten Grunnfjord auf Senja, im Vordergrund schneebedeckte Küste und Fjord.
Breites, diffuses grünes Polarlichtband über dem verschneiten Fjord bei Utsikten Grunnfjord auf Senja.
Senkrechte grüne Polarlicht-Säulen am Sternenhimmel über Utsikten Grunnfjord auf Senja, Hochformat.
Panoramablick vom Aussichtspunkt Fjellheisen auf das nächtliche Tromsø mit beleuchteter Innenstadt, Brücke und umliegenden Bergen, im Vordergrund Schnee.
Station 13

Tromsø bei Nacht vom Fjellheisen

Zum Abschluss geht es mit der Seilbahn Fjellheisen hoch über die Stadt. Von oben liegt Tromsø als Lichterteppich zwischen den dunklen Fjordarmen, die Brücke spannt sich als helles Band hinüber zur Insel – ein letzter, stiller Blick auf neun Tage hoch im Norden, und die Gewissheit, dass wir wiederkommen.

◈ Tromsø · Norwegen

Gut zu wissen

Anreise
Der geplante Flug Hamburg–Tromsø fiel dem SAS-Pilotenstreik zum Opfer – wir kamen einen Tag später an (7. Februar) und flogen erst am 15. zurück.
Reisezeit
Anfang Februar: nur wenige Stunden fahles Tageslicht, dafür lange, dunkle Nächte – die beste Zeit fürs Nordlicht.
Unterwegs
Basis war unser Hotel (Senja Fjordhotell bei Frovåg auf Senja. Von Tromsø aus geht es über Kvaløya und die Fähre Brensholmen–Botnhamn nach Senja.
Ausrüstung
Daunenjacke, Spikes und ein stabiles Stativ. Fürs Nordlicht ein lichtstarkes Weitwinkel und warme Ersatzakkus in der Innentasche.
Fototipp
Das Türkis der Strände braucht tief stehende Sonne, das Nordlicht klaren Himmel, Geduld und einen Blick auf den KP-Index.