
Nordnorwegen im Winter
Eine Winterwoche hoch über dem Polarkreis: Tromsø, die türkisen Strände von Sommarøy und die wilde Insel Senja. Nordlicht über einem roten Holzhaus, die Teufelszähne der Okshornan, Rentiere im Schnee – und eine Anreise, die dank Pilotenstreik erst einen Tag später begann.
Einmal die Strecke entlang
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Hafen von Tromsø im Schneetreiben
Eigentlich hätte uns ein Direktflug nach Tromsø gebracht – doch der SAS-Pilotenstreik strich ihn, und so kommen wir einen Tag später an, dafür bleiben wir bis zum 15. Februar. Im Schneetreiben liegt der Hafen der Stadt schon in winterlichem Halbdunkel, dahinter ducken sich bunte Holzhäuser unter dicken Schneehauben – der erste Eindruck von Tromsø, bevor es überhaupt richtig losgeht.
◈ Tromsø · Norwegen


Türkises Wasser bei Sommarøy
Die ersten Nächte gehören Sommarøy vor den Toren Tromsøs: schneeweiße Strände, dazwischen ein Meer in einem fast karibischen Türkis, das man hier oben am Polarkreis nicht erwartet.
Das Türkis leuchtet nur, wenn die tief stehende Sonne flach aufs flache Wasser trifft – die kurzen Mittagsstunden lohnen sich, auch wenn es nie richtig hell wird.




Ausfahrt nach Senja
Von Kvaløya aus geht es mit der kleinen Fähre Brensholmen–Botnhamn hinüber nach Senja. Die Überfahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde, aber sie reicht, um aus dem Nebel auftauchende Gipfel, ziehende Möwen und das flache Morgenlicht über dem Nordmeer einzufangen.
Im Winter fährt die Fähre seltener – Fahrplan vorab prüfen. Auf dem offenen Deck ist es kalt, aber nur von dort hat man freie Sicht auf die Bergkette.



Die gelbe Fischfabrik
Am Ende einer schmalen Straße, die sich zwischen Bergen und Meer hindurchzwängt, liegt Husøy – ein winziges Fischerdorf auf einer Insel im Øyfjord, rundum von steilen Gipfeln umschlossen. Bunte Häuser, Boote im Hafen, Fischgestelle im Schnee: ein Ort, an dem der Winter das Leben nicht anhält, sondern nur langsamer macht.
◈ Husøy · Senja · Norwegen



Nebelbank über Ersfjordstranda
Nur ein paar Kurven weiter öffnet sich Ersfjordstranda: ein breiter, heller Sandstrand am Fuß eines steil aufragenden Gipfels. Die Brandung läuft in dünnen Fächern über den gefrorenen Sand, und für einen Moment sieht der Winter hier aus wie ein Sommertag, dem man die Farbe herausgezogen hat.
◈ Ersfjordstranda · Senja · Norwegen



Die Teufelszähne von Senja
Wir haben es geschafft und konnten noch im Schein des letzten Tageslichts bei Tungeneset die „Teufelszähne" (Okshornan) fotografieren. Eine Reihe schroffer, tief verschneiter Zacken, gegen die die Brandung des Nordmeers schlägt. Zwischen den Felsen führen Holzstege über den Schnee, und das Licht wechselt im Minutentakt.
Der Rastplatz Tungeneset liegt direkt an der Nationalen Touristenstraße; die Stege sind bei Eis spiegelglatt – Spikes unter den Schuhen sparen Nerven.




Bergsbotn in der blauen Stunde
Von der Aussichtsplattform Bergsbotn fällt der Blick tief in einen der schönsten Fjorde der Insel, den ein zugefrorener See wie ein Auge spiegelt.
◈ Bergsbotn · Senja · Norwegen

Polarlicht über Frovåg
Unser Quartier das Senja Fjordhotell bei Frovåg im Süden Senjas – und in der ersten klaren Nacht hält der Himmel Wort. Über dem Fjord zündet das Nordlicht, erst als blasser grüner Bogen, dann in Vorhängen aus Grün und Violett, die sich über das ganze Firmament ziehen. Man steht im Schnee, friert, und vergisst es sofort wieder.
Warm anziehen und Geduld mitbringen: Ein Blick auf den KP-Index und die Wolkenvorhersage hilft, aber die schönsten Ausbrüche kommen unangekündigt. Ein lichtstarkes Weitwinkel (14 mm, f/2.8) und Ersatzakkus in der Innentasche sind Gold wert. Unterkunft: das Senja Fjordhotell – sehr zu empfehlen, überaus freundliche Gastgeber, man fühlt sich wie zu Hause.




Rentier im Schneefall
Auf den Hochflächen Senjas begegnen uns die eigentlichen Einheimischen: Rentiere, die im Schnee nach Flechten scharren. Mal in kleinen Trupps in der Ferne, mal so nah, dass man das Rascheln ihres Fells hört. Mit ihren mächtigen Geweihen und dem dichten Winterpelz wirken sie, als gehöre ihnen diese weiße Welt ganz allein.
Rentiere sind halbwild und gehören den Samen – Abstand halten, ruhig bleiben, mit dem Teleobjektiv arbeiten. Am Straßenrand tauchen sie oft unvermittelt auf, also langsam fahren.




Rote Höfe hinter Schneewällen
Auf der Rückfahrt nach Tromsø zeigt sich der Winter noch einmal von seiner stillsten Seite: gefrorene Fjorde, ein Sonnenhalo über der weiten Fläche, eisglatte Straßen, die schnurgerade auf schneebedeckte Berge zulaufen. Neun Tage hoch im Norden – und die Gewissheit, dass wir wiederkommen.
◈ Senja · Norwegen


Alte Straßenbahn am Hafen
Zurück in der Stadt bleibt Zeit für einen Bummel durch Tromsø: bunte Holzhäuser am Hafen, die alte Straßenbahn als Deko-Stück vor der Kulisse des Fjellheisen, dazwischen Museumshäuser und schmale Gassen im Schneetreiben.
Zwischen den Stationen lohnt ein Stopp am Raketten Bar & Pølse – der Hotdog-Stand mitten in der Stadt ist eine Institution.



Polarlicht über dem Fjord
Am letzten Abend fahren wir noch einmal hinaus zum Aussichtspunkt Utsikten Grunnfjord – und der Himmel zeigt sich noch einmal von seiner eindrucksvollsten Seite: grüne und violette Polarlichtbögen, die sich in immer neuen Formen über den Fjord ziehen, während unten die Lichter der Küste glitzern.
Auf dem Weg dorthin lohnt ein Stopp beim Direktør'n Bistro – durch Zufall entdeckten wir dieses kleine Restaurant - es hat sich definitiv gelohnt




Tromsø bei Nacht vom Fjellheisen
Zum Abschluss geht es mit der Seilbahn Fjellheisen hoch über die Stadt. Von oben liegt Tromsø als Lichterteppich zwischen den dunklen Fjordarmen, die Brücke spannt sich als helles Band hinüber zur Insel – ein letzter, stiller Blick auf neun Tage hoch im Norden, und die Gewissheit, dass wir wiederkommen.
◈ Tromsø · Norwegen